Interview mit Sarah Akanji

Sarah Akanji wurde letzten März mit den meisten Stimmen in den Kantonsrat gewählt. Wir haben uns mit ihr über ihr politisches Engagement unterhalten.

Mit 8557 Stimmen wurdest du in den Kantonsrat gewählt. Was war deine erste Reaktion?
Ich konnte nicht glauben, dass ich tatsächlich mit so vielen Stimmen gewählt wurde. Da ich auf dem 4. Platz kandidierte, hatte ich mich auf eine 50/50 Chance eingestellt, ob ich gewählt würde oder nicht. Dass ich dann so viele Stimmen machen konnte, ist ein riesiges Geschenk und ich freue mich riesig über das Vertrauen der Winterthurerinnen und Winterthurer.

Für welche Rechte kämpfst du?
Chancengleichheit ist mir ein zentrales Anliegen. Jeder Mensch soll die gleichen Möglichkeiten bekommen, sich zu entfalten. Es darf keine Rolle spielen, welches Geschlecht, welche Herkunft, welches Alter oder welchen ökonomischen Hintergrund wir haben. Anstatt Hürden aufzustellen, sollten wir Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Interessen eine bestmögliche Plattform bieten.

Was möchtest du gerne bei der Migrationspolitik ändern und/oder erreichen wollen?
Ausländer*innen, welche ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, sollen zumindest auf kommunaler und regionaler Ebene mitbestimmen dürfen. Sie wohnen hier, bezahlen Steuern, Krankenkassenprämien und sind ebenso von der Politik betroffen wie Schweizer*innen.
Ebenso wichtig ist mir eine möglichst unterstützende Integration von Flüchtenden in unsere Gesellschaft. Das Beherrschen unserer Sprache ist essentiell, um integriert zu werden. Deshalb setze ich mich für einen kostenfreien und möglichst einfachen Zugang zu Deutschkursen für geflüchtete Menschen ein.

Was ist deines Erachtens nötig, damit sich Frauen mehr für Politik interessieren?
Wir müssen den Zugang zur Politik mehr eröffnen. Schon bei der Sozialisierung als Kinder sollten wir Mädchen gleich behandeln wie Jungs. Wenn wir bei Kindern, egal welches Geschlecht sie haben, kritisches Denken fördern und ihnen das Vertrauen zeigen, dass auch sie die Gesellschaft mitgestalten können und mit ihrem Engagement einen Unterschied machen, sind wir schon einen grossen Schritt weiter.

Ebenfalls ist es nötig, Frauen mehr am öffentlichen Leben teilnehmen zu lassen, indem wir endlich die Lohngleichheit verwirklichen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf  fördern.
Es ist sehr wichtig, dass wir Vorbilder haben, die inspirieren und dass Frauen sichtbarer werden in unserer Gesellschaft.

Nimmst du am 14. Juni am Frauenstreit teil?  
Natürlich. Und ich hoffe, dass sich mir möglichst viele Frauen* anschliessen! Es gibt extrem viele Gründe zu streiken: Lohnungleichheit, ungerechte Renten für Frauen, zu wenig Frauen in Kaderstellen, die nicht genügend wertgeschätzte Care-Arbeit, Gewalt gegen Frauen, alltäglicher Sexismus etc. Stehen wir am 14. Junin gemeinsam gegen diese Ungerechtigkeiten ein – als Betroffene oder als Solidarisierende!